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Chronik der Schule



Wenn wir uns auf eine Zeitreise begeben würden und dann im Jahre 1836 in Laubegast ankämen, brauchten wir sicher eine gehörige Portion Fantasie, um uns die Situation vor Ort vorstellen zu können.

Das Dorf reduziert sich auf den Ortskern an der Elbe, der Anteil bewirtschafteter Felder ist viel größer als heute. Es gab noch keinen elektrischen Strom im Dorf, aber es begannen sich schon Dampfschiffe auf der Elbe zu bewegen.
Und es gibt Menschen in diesem Dorf, denen die Bildung der hiesigen Kinder sehr am Herzen liegt. Seit der Reformation bemüht man sich, nicht nur elitäre Gruppen zu bilden, sondern auch den Großteil der Bevölkerung mit einer Grundlagenbildung zu versorgen.
Auch zu dieser Zeit weiß man, Bildung vergrößert die Chancen, im Leben zu bestehen.
Idealismus alleine genügt nicht, damals wie heute, eine Schule zu gründen.
Es fehlte das Geld. Da finden sich zwei bemerkenswerte Herren, der eine hat sein halbes Leben Pferde zugeritten und lebt mit guter Pension in diesem beschaulichen Dorf und der andere steht als Priester im Dienst der katholischen Kirche. Letzterer verfügt deshalb über einige Hektar Ackerland.
Der Bischof gibt das Bauland und der Pensionär das Geld zum Bau. So legen Friedrich Immanuel Schober und Bischof Mauermann den Grundstein für den Bau der Laubergaster Schule. Allerdings nicht für die heute genutzten Gebäude.
Das erste Schulgebäude befand sich in der Gaststätte „Forsthaus“.
Der erste Lehrer, August Richter, ist 44 Jahre in Laubegast tätig. Ich erwähne es deshalb, weil mir beim Sichten der Unterlagen aufgefallen ist, dass es in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl Lehrerinnen und Lehrer gab, die Jahrzehnte ihres Berufslebens in Laubegast verbracht haben. Das ist gut so. Dadurch bleibt Kontinuität gewahrt, was für die Bildung junger Menschen unerlässlich ist.

Laubegast wächst in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts, so dass 1863 ein zweites Schulhaus gebaut werden muss. Allerdings wird daraus später keine Kneipe, es gehört auch heute noch als Teil zum Ganzen.
Das Landleben muss ungeheuer fruchtbar gewesen sein, denn schon 20 Jahre später muss ein weiteres Schulgebäude errichtet werden, um den vielen Kindern des Ortes das Lesen und Schreiben beizubringen.
Gutsmuts, der Lehrer für Gymnastik und Geografie, begeisterte die Deutschen für den Sportunterricht. Deshalb blieben auch die Laubegaster hartnäckig im Kampf für eine Turnhalle. Nach langwieriger Prozedur stand sie 1904 zur Nutzung bereit.
Es lag nicht an  der Turnhalle, dass 102 Jahre vergehen mussten, ehe eine neue, moderne gebaut wurde. Es ist dem Engagement einiger Eltern zu danken, dass dieser überfällige Neubau verwirklicht werden konnte. Wobei ich bei aller Freude darüber, eingestehen muss, dass deren Fassungsvermögen und unsere Schülerzahl zur Zeit nicht kongruent sind.

Die beiden Gebäude auf der Leubener- und Linzer Straße müssen reine Zweckbauten gewesen sein, eher an eine Kaserne erinnernd als an eine Schule.
Das ändert sich 1906. Ihr Sinn für Ästhetik hat die Laubegaster beflügelt, diese Schule umbauen zu lassen. Beide Gebäudeteile bekommen ein Spitzdach und die erste öffentliche Uhr des Ortes gerät ins Blickfeld der Bewohner. Die Schule hat nach dieser Umgestaltung ein leichtes barockes Flair erhalten. Dresdens Neumarktgestalter können selbst heute noch von Laubegast lernen.

Seit der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts schluckt die Landeshauptstadt mehrfach umliegende Gemeinden. 1921 wird Laubegast ein Stadtteil Dresdens und folglich muss diese Schule eine Nummer bekommen, die hat sie bis heute erfolgreich verteidigt.
1934/35 kommt ein weiteres Gebäude nebst Außenanlagen hinzu. Mich fasziniert, wie es dem Architekten gelungen ist, diesen Neubau mit einem 50 Jahre früher entstandenen Altbau optisch geschickt zu verbinden. Eine beachtliche Leistung!
Bis in die 40iger Jahre des letzten Jahrhunderts bleibt die Pädagogik an Laubegasts Schule eine Domäne der Männer. Wie sich die Zeiten geändert haben.

Im April 1970 bekommt diese Bildungseinrichtung den Namen des Dresdener Malers Hans Grundig verliehen. Sie trägt ihn auch heute noch. Seine Gemälde gehören zum Bestand der Galerie „Neue Meister“. Grundig hat ein nachhaltiges, beständiges Werk hinterlassen. So dass die Wahl seines Namens für die Schule auch heute noch ihre Berechtigung hat.
Als ich die Schule 1986 erstmalig betrat, war sie baulich verschlissen. Jahrzehnte hatte man nur von der Substanz gelebt. Das war durch nichts entschuldbar.
Deshalb kam die Wende auch für diese Schule sehr zur rechten Zeit. 1990/91 wurde der gesamte Komplex saniert und wir können uns heute auch unter Einbeziehung des Außengeländes einer baulich intakten Schule erfreuen.

Eins muss ich mit allem Nachdruck sagen, es zieht sehr viele ehemalige Schüler immer wieder an ihre alte Schule. Egal, ob hinter der Zahl 64  Volksschule, Polytechnische Oberschule oder Mittelschule stand oder steht. Also müssen hier viele Frauen und Männer beruflich gewirkt haben, die auf nachhaltige Pädagogik gesetzt hatten und haben. Für die menschliche Nähe, Ernsthaftigkeit genauso wichtig waren wie der tägliche Frohsinn  und Spaß mit den Schülern. Lehrerpersönlichkeiten haben hier ihre Spur hinterlassen und deshalb verfolgen so viele ehemalige Schüler die Schuljubiläen mit so großer Aufmerksamkeit.
Als ich vor 25 Jahren an dieser Schule anfing, feierte man das 150jährige Bestehen der Schule. In diesen Jahren hat sich viel verändert und manches ist sich gleich geblieben. Schule ist immer eine sehr komplexe Angelegenheit. Ich glaube, das sehen heute manche Leute zu einfach. Sie erwarten, dass Schule alles leistet. Es gibt Grenzen- auch für eine Schule.

Die Geschichte der Laubegaster Schule zeigt aber, wir brauchen die gute Zusammenarbeit mit den Eltern, den Schülern, den Behörden und den Ämtern.
Nur dann können wir auch nachhaltig in die Zukunft wirken und das nächste große Jubiläum an dieser Schule feiern.


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